Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW finanziert Gründungen und junge Unternehmen bis fünf Jahre nach Start mit bis zu 125.000 Euro, ohne Eigenkapitalpflicht, zu Effektivzinsen von grob 4 bis 7 Prozent (Stand 2026). Beantragt wird er immer über eine Hausbank, immer vor Vorhabensbeginn; die KfW nimmt der Bank 80 Prozent des Risikos ab.
Dieses eine Detail, der Weg über die Hausbank, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Die KfW lehnt selten ab, aber sie bekommt deinen Antrag nur zu sehen, wenn eine Bank ihn durchleitet. Deine eigentliche Prüfung findet also am Schreibtisch eines Firmenkundenberaters statt. Schauen wir uns an, was dort zählt.
Merkmal | ERP-Gründerkredit StartGeld | ERP-Förderkredit KMU |
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Maximalbetrag | 125.000 Euro (davon max. 50.000 Betriebsmittel) | bis 25 Mio. Euro |
Zielgruppe | Gründung bis 5 Jahre nach Start | Gründer & etablierte KMU |
Risikoübernahme | 80 % Haftungsfreistellung für die Hausbank | teils möglich, bonitätsabhängig |
Eigenkapital nötig | formal nein | bonitätsabhängig |
Effektivzins (Stand 2026) | ca. 4–7 % je nach Laufzeit/Bonität | ab ca. 3,5 %, preisklassenabhängig |
Laufzeiten | bis 10 Jahre, 1–2 tilgungsfreie Jahre | bis 20 Jahre möglich |
Die Zinsspanne erklärt sich über das risikogerechte Zinssystem: Deine Bank stuft dich nach Bonität und Sicherheiten in eine Preisklasse ein, und daraus ergibt sich der Satz innerhalb der KfW-Vorgaben. Als Gründerin ohne Historie landest du selten in der besten Klasse, kalkuliere im Finanzplan deshalb konservativ mit dem oberen Rand und lass dich positiv überraschen, nicht umgekehrt. Die tagesaktuellen Sätze stehen in der Konditionenübersicht der KfW.
Wichtig für die Planung sind die tilgungsfreien Anlaufjahre: Beim StartGeld zahlst du im ersten oder in den ersten beiden Jahren nur Zinsen. Bei 100.000 Euro und rund 5,5 Prozent sind das etwa 460 Euro im Monat statt später gut 1.400 Euro mit Tilgung, genau die Entlastung, die eine Anlaufphase braucht. Der Sprung danach muss aber im Liquiditätsplan stehen, sonst holt er dich im Jahr zwei ein.
- Businessplan mit Kapitalbedarfs-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung fertigstellen, das ist die Eintrittskarte, ohne die kein Banktermin Sinn ergibt.
- Zwei bis drei Banken parallel anfragen: deine Hausbank plus mindestens eine Volksbank oder Sparkasse. Die Bewilligungspraxis unterscheidet sich erheblich.
- Banktermin: Du stellst Vorhaben und Zahlen vor, die Bank prüft Bonität und Unterlagen. Kernfrage intern: Trägt das Vorhaben den Kapitaldienst?
- Die Bank stellt den KfW-Antrag über das Förderportal, zwingend vor Vorhabensbeginn, also bevor du Verträge unterschreibst oder bestellst.
- KfW-Zusage (meist ein bis drei Wochen), dann Kreditvertrag mit der Bank, Auszahlung, Abruf nach Bedarf.
Zeitlich heißt das: sechs bis zwölf Wochen von der ersten Anfrage bis zum Geld. Ein Gründer aus dem Sauerland, dessen Fall mir aus der Beratung in Erinnerung geblieben ist, hat seine Werkstatteinrichtung „schon mal verbindlich reserviert", sprich: bestellt, damit war genau diese Investition nicht mehr förderfähig, und die Finanzierung musste neu aufgesetzt werden. Drei Monate verloren wegen einer Unterschrift zur Unzeit.
Bereite dich auf drei Fragenkomplexe vor, denn sie kommen in fast jedem Termin. Erstens die Kapitaldienstfähigkeit: Kann dein Betrieb Zins und Tilgung dauerhaft zahlen? Rechne das selbst vor, bevor es die Bank tut, geplanter Monatsüberschuss minus Privatentnahme minus Kapitaldienst muss eine positive Zahl mit Puffer ergeben. Zweitens deine Annahmen: Woher kommt die Umsatzprognose, was passiert bei 70 Prozent Zielerreichung? Wer für dieses Szenario eine vorbereitete Antwort hat, wirkt sofort eine Klasse seriöser. Drittens die Person: Branchenerfahrung, kaufmännisches Grundwissen, und wie du Lücken schließt, ein Steuerberater mit monatlicher BWA ist hier ein akzeptiertes Argument.
Ein Zahlenbeispiel für die Kapitaldienstrechnung: Du planst 80.000 Euro StartGeld über zehn Jahre, zwei tilgungsfreie Anlaufjahre, angenommener Effektivzins 5,5 Prozent. In den Jahren eins und zwei zahlst du rund 370 Euro Zinsen im Monat, ab Jahr drei etwa 1.030 Euro Zins plus Tilgung. Dein Plan sollte ab Jahr drei also mindestens 1.030 Euro Monatsüberschuss nach Privatentnahme zeigen, besser 1.300, denn ohne Puffer glaubt dir die Rechnung niemand. Diese eine Zeile vorbereitet zu haben, unterscheidet dich von der Mehrheit der Antragsteller.
Zur Vorbereitung gehört auch der Papierkram in einem sauberen Ordner (digital reicht): Businessplan, Lebenslauf, Eigenkapitalnachweis, Schufa-Selbstauskunft, bei Übernahmen die Zahlen des Vorgängers. Klingt banal, macht aber Eindruck, Firmenkundenberater erzählen einhellig, dass vollständige Unterlagen im ersten Anlauf die Ausnahme sind. Und stell deinerseits Fragen: nach der Preisklasse, in die du eingestuft wirst, nach Bereitstellungszinsen, nach der Möglichkeit von Sondertilgungen. Ein Kreditgespräch ist eine Verhandlung, kein Bittgang.
Selten an der KfW, fast immer an der Hausbank, und dort an drei Punkten. Erstens am Zahlenteil: Umsätze ohne Herleitung, fehlender Unternehmerlohn, keine Liquiditätsreserve. Zweitens an der Person: Wer eine Gastronomie eröffnen will und weder Branchenerfahrung noch kaufmännische Praxis nachweist, bekommt auch mit 80 Prozent Haftungsfreistellung keine Zusage, denn die restlichen 20 Prozent trägt die Bank selbst. Drittens an der Höhe: Anträge unter etwa 25.000 Euro sind für manche Institute schlicht unattraktiv, weil die Bearbeitung ähnlich viel kostet wie bei 250.000.
Gegen den dritten Punkt hilft Ehrlichkeit bei der Bedarfsplanung, lieber einmal 60.000 Euro sauber begründet als zweimal 20.000 nachgefordert. Nachfinanzierungen im ersten Jahr gelten als Planungsfehler und werden entsprechend ungern bewilligt. Kalkuliere den Betriebsmittelanteil großzügig: Bis 50.000 Euro sind beim StartGeld ausdrücklich dafür vorgesehen, die Anlaufmonate zu tragen.
Scheitert der Weg über die Banken, gibt es drei ernsthafte Ausweichrouten. Die Bürgschaftsbank deines Bundeslandes stellt mit der „Bürgschaft ohne Bank" eine Ausfallbürgschaft von bis zu 80 Prozent aus, bevor du eine Bank suchst, mit dieser Zusage in der Tasche dreht sich das Gespräch beim nächsten Institut oft komplett. Kosten: einmalig rund 1 bis 1,5 Prozent Bearbeitungsentgelt plus laufende Bürgschaftsprovision.
Für kleine Vorhaben ist der Mikrokreditfonds Deutschland gedacht: bis 25.000 Euro über akkreditierte Mikrofinanzinstitute, mit deutlich pragmatischerer Prüfung, aber Zinsen um die 8 bis 10 Prozent. Und die Landesförderinstitute, von der NRW.BANK bis zur LfA in Bayern, haben eigene Gründungsprogramme, teils mit Zinsverbilligung gegenüber der KfW. Ein Anruf bei der Förderberatung deines Bundeslandes kostet nichts und sortiert die Optionen in einer halben Stunde.
Und manchmal ist die ehrliche Antwort: kleiner anfangen. Wer die Investition durch einen nebenberuflichen Start, gebrauchte Ausstattung oder Leasing um die Hälfte drückt, braucht vielleicht gar keinen Kredit, oder einen, den jede Sparkasse ohne Bauchschmerzen mitgeht. Fremdkapital ist ein Werkzeug, kein Erfolgsnachweis. Und jeder Euro, den du nicht aufnimmst, muss in den mageren Monaten des zweiten Jahres nicht verdient werden, diese simple Wahrheit geht im Förderdickicht erstaunlich oft verloren.
Ein Wort noch zu Leasing und Mietkauf, die in Bankgesprächen oft als Ergänzung auftauchen: Für Fahrzeuge, Maschinen und Kassensysteme kann Leasing den Kreditbedarf spürbar senken und schont die Sicherheiten. Teurer als der KfW-Kredit ist es auf die Laufzeit gerechnet fast immer, als Hebel, um überhaupt eine tragfähige Finanzierungsstruktur zu bekommen, ist es trotzdem legitim. Wichtig ist nur, die Leasingraten sauber in der Liquiditätsplanung zu führen; sie sind Fixkosten wie Miete und Gehalt.
Der ERP-Gründerkredit ist 2026 das Standardinstrument der Gründungsfinanzierung, und das zu Recht: faire Zinsen, tilgungsfreie Anlaufjahre, keine Eigenkapitalpflicht, 80 Prozent Risikoübernahme. Aber er wird an Bankschreibtischen vergeben, nicht am Förderschalter. Wer mit einem belastbaren Zahlenteil, zwei bis drei parallelen Bankanfragen und ohne voreilige Unterschriften in den Prozess geht, hat gute Karten. Der Rest entscheidet sich, wie fast alles beim Gründen, in der Vorbereitung.